#36 Interview Dr. Petra Bock – Mindfucks vorbeugen

Mindfucks vorbeugen

In dieser Folge unseres Podcasts Kurswechsel Kindheit sprechen wir mit Dr. Petra Bock, Bestsellerautorin der Mindfuck Bücher, Begründerin der Dr. Bock Coaching Akademie und langjährige Life- und Business Coachin. 

Wir erfahren, was die sogenannten Mindfucks sind, wie man neue Sichtweisen und Veränderungen im Leben etablieren kann und wieso es so wichtig ist, auch Kinder ganzheitlich zu betreuen. Denn nur, wer auch als Elternteil oder Lehrer/in in seiner eigenen Kraft ist, kann Kindern neue Perspektiven und eine schöne Kindheit ermöglichen.

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Was sind Mindfucks, Frau Dr. Bock?

Ein Mindfuck ist ein Denkmuster, mit dem wir uns stören, das immer wieder aufpoppt, oft angetriggert wird durch bestimmte Situationen oder auch übertragen wird, aus unserer Familie, aus unserer Kultur.

Es gibt ganz spezifische Mindfucks, die typisch sind für bestimmte Kulturen. Uns Deutschen sagt man zum Beispiel nach, dass wir viel mit dem Katastrophen-Mindfuck zu tun haben, dass wir ganz, ganz schnell in Angst und Panik verfallen und alles so großziehen, was schiefgehen könnte. Dafür gibt es den Begriff „German Angst“.

Die Schweizer sagen mir zum Beispiel, dass die Selbstverleugnung ganz groß ist, dass man immer erst überlegt, ob man anderen auf die Füße treten könnte, bevor man sich traut, etwas zu sagen oder zu machen und sich damit sehr einschränkt.

Und so hat auch jede Kultur ihren Fingerprint, kann man sagen. Aber vieles kommt aus der Familie, vieles kommt aus dem eigenen Leben. Wo man irgendwann eine Erfahrungen gemacht hat, die einen dazu bringen, sich innerlich im Grunde eher zu verschließen.

Dr. Petra Bock

Unser Interviewgast Dr. Petra Bock

DrPetra Bock ist Top Coach, vielfache Bestsellerautorin (Mindfuck), Managementberaterin und Gründerin der Dr. Bock Coaching Akademie.

Was kann man gegen Mindfucks bei Erwachsenen tun?

Es ist ganz schön, wenn man als erstes versteht, was da passiert. Wenn man merkt, wann und wie man sich selbst blockiert mit diesen Mindfucks und wie die Struktur so aussieht.

Wenn ich mit Menschen spreche, können sie ziemlich schnell sagen, was überhaupt ihr Blockade-Muster ist. Ob es eben die Angst ist, weswegen sie Dinge nicht anpacken oder dauernd Druck sie in Dauerstress versetzt zum Beispiel. Oder sie sich immer wieder für etwas begeistern und dann ganz schnell die Lust wieder verlieren, das nenne ich Über-Motivation. Man kann das ganz toll selbst erkennen. Und meistens merkt man auch, dass man nicht in der Balance ist und auch nicht in seiner Kraft als erwachsener Mensch, sondern sich irgendwie in so einem ganz hilflosen oder auch trotzigen Zustand oft befindet. Oder sehr streng mit sich ist oder auch über-fürsorglich, sich alles durchgehen lässt, obwohl man eigentlich weiß, es passt jetzt gerade nicht und man müsste vielleicht seine Frau oder seinen Mann gerade stehen.

In welchem Alter entstehen Mindfucks?

Ja, also ich würde sagen, in der mittleren Kindheit ist die wichtigste Phase dazu. So im Grunde ab dem Grundschulalter. Da lernen Menschen ja soziales Verhalten und vieles wird ihnen ja im sozialen Verhalten antrainiert.

Ein Beispiel:  Man kommt in die Schule und hat irgendwas an und jemand anders sagt,: „Und wie siehst du denn aus?“ Und schon denkt man: „Ich bin falsch, ich muss mich danach richten, was andere von mir erwarten.“ Das geht ganz schnell.

Das ist ja auch das Faszinierende an uns Menschen, dass wir so sensibel lernen. Das tun Kinder natürlich noch in einer viel höheren Schlagzahl als wir Erwachsenen. Wir sind oft schon so eingenordet in irgendein Bild vom Leben. Die Kinder sind da noch ganz offen dafür. Die nehmen hochsensibel wahr, was draußen passiert und wie sie bewertet werden.

Diese Mindfucks sind im Grunde ein sozialpsychologische Phänomen. Es geht im Grunde darum, sich selbst zu verorten, gesellschaftlich. Und das tut man als Kind schon in der Schule. Das ist ein Außenbereich, der außerhalb der geschützten Familie da ist. Und dort lernt man viele gesellschaftliche Regeln, die vielleicht zu Hause ganz anders gesehen werden, die trotzdem aber prägend sind.

Das kann man auch, denke ich, nicht verhindern.

Aber man kann hinschauen:

  • Was passiert mit unseren Kindern?
  • Wie geht es ihnen?
  • Wann kommen die Mindfucks auf?

Eltern können das gut erkennen, wenn sie sensibel dafür sind.

Das ist auch das, was die Arbeit in der Akademie für Kinder- und Jugendcoaching auszeichnet und die 3 Prinzipien unserer Kinder- und Jugendcoaching Ausbildung sind:

  • Wertschätzung
  • Augenhöhe
  • Kinder nicht beurteilen.

In unserer Coaching Ausbildung ist es ja oft auch so, dass Skepsis besteht, wenn wir die Kinder nicht bewerten. Manche Teilnehmerinnen argumentieren dann, die „Kinder funktionieren“ ohne Bewertung vielleicht gar nicht. Wertfreiheit und Augenhöhe heißt nicht Anarchie wie mein Mann.

Mindfucks durch das Bildungssystem

Im Bildungssystem arbeiten sehr viele Menschen, die etwas verändern möchten. Wir als Akademie machen die Erfahrung gerade machen, dass das Bildungssystem von Menschen, die Veränderung möchten, als sehr starr erlebt wird, als dass der Status quo bewahrt wird. Und die, die laufen oft gegen Mauern.

Was kann man da denn tun? 

Frau Dr. Bock arbeitet in diesem Bereich mit vielen Konzernen mit dem Thema, die das gleiche Problem haben, dass viele Mitarbeitende gegen Mauern rennen, wenn es wirklich um eine neue Kultur geht, die viel menschenfreundlicher und entwicklungs- und entfaltungsorientiert ist.

Sie sagt:

Wo ich gute Erfahrungen mit mache, ist wirklich erst mal die andere Seite zu hören:

  • Was bewegt euch?
  • Warum denkt ihr, dass die Dinge so laufen müssen und nicht anders?
  • Was ist meine Sicht drauf?
  • Worum geht es eigentlich? Um den gemeinsamen Blick auf Kinder? Mit Sicherheit. Ich glaube, wenn man da schon hört Nee, darum geht es nicht, dann weiß man, dass das System sehr, sehr gestört ist.

Aber es ist wichtig, aufzuklären und darüber zu sprechen, immer wieder im Gespräch zu bleiben. Ich weiß, dass das ein Stück dauert. Systeme, die sich irgendwie halten und das muss ja auch stabil sein im Bildungssystem, das verstehe ich auch. Diese Systeme haben eine Neigung dazu, sich immer wieder selbst zu stabilisieren, zurückkehren zu den alten Sichtweisen.

Da muss man rein, immer wieder rein und aufklären, wieder erzählen, was müssen wir anders machen? Was fällt uns auf? 

Im Coaching geht es ja oft um den Perspektivwechsel, dass wir uns selber mal überlegen, was beschäftigt diese Institution, diesen Menschen, die dort arbeitet und was wollen wir dagegen rüberbringen?

Und da ins Gespräch zu kommen, ist ein längerer Prozess. Und je mehr wir sind natürlich, desto leichter ist es auch, gehört zu werden. Sich zusammentun, sich vernetzen, gemeinsam auftreten, das hilft ganz sicher. Aber auch jede/r Einzelne wird wahrscheinlich mal gute Impulse setzen können. Aber es ist besser sich zu vernetzen. Aus meiner Sicht.

Akademie:

Genau das ist es, was wir ganzheitlich nennen und auf alles gucken. Da kann es nur gut gehen, wenn es den Beziehungen rundrum gut geht. Und ganz genau, wenn jeder auch auf seine Bedürfnisse achtet. Das ist Andreas Thema bei uns hier in der Akademie: die Selbstfürsorge des Einzelnen, auch des Coaches, des Lehrers oder Elternteils.

Danke für ihre tollen Worte Frau Dr. Bock!

Das gesamte Interview könnt ihr euch in der Podcastfolge anhören. 

Lasst uns bei Fragen gerne euren Kommentar da. Wir beantworten sie gerne.

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