#35 Medienerziehung

Medienerziehung

In dieser Folge unseres Podcasts Kurswechsel Kindheit geht es um die wichtigsten Tipps zur Medienerziehung. Wir setzen uns mit verschiedenen familiären Alltagssituationen auseinander, in denen uns aufgefallen ist, wie wichtig ein Bewusstsein über die eigene Mediennutzung ist.

Wir sprechen über die Vorteile von Medienkompetenz für die Schule und die berufliche Zukunft, aber auch für den familiären Zusammenhalt und das gemeinsame Vertrauen. Der Mythos von den viereckigen Augen ist für uns eben nur das: ein Mythos.

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Wer nutzt denn überhaupt mit Kindern Medien?

Ich erinnere mich an einige Veranstaltungen vor ein paar Jahren. Ich wurde öfter eingeladen, in Kindergärten zu den Themen Medien, Mediennutzung, Medienkompetenz zu sprechen. Immer mit dem Tenor, den Eltern bitte zu erklären, dass Mediennutzung eigentlich ganz, ganz schlecht ist für die Kinder.

Wenn ich dann meine Eröffnungsrede startete, fragte ich: „Welche Kinder gucken denn Fernsehen, nutzen digitale Spiele im Kindergarten oder Vorschuljahr?“ 

Keiner meldete sich.

Ich sagte: „Ja, da bin ich eine echte Außenseiterin. Meine Kinder, die gucken Fernsehen. Und die sind auch immer mal wieder am Computer.“

Die Eltern merkten, dass ich jetzt gar nicht belehren und alles verteufeln wollte. Dann kam auf einmal: „Ja, wir gucken dann doch mal dies und das und jenes.“

Ich glaube Medien gehören zu unserem Leben dazu und wir können Medien nicht ausblenden. Das heißt nicht, dass alles, was Medien angeht, gut ist. Und das heißt auch nicht, dass alles toll ist. Aber Medien gehören dazu.

Worauf muss ich bei der Medienerziehung achten?

Begleitung bei der Mediennutzung

Wichtig ist es Kinder bei der Mediennutzung zu begleiten. Das heißt, weder der Fernseher noch ein Spiel noch sonstiges ist ein Babysitter, wo ich das Kind absetze und dann ist es beschäftigt.

Ich kann auch mitspielen. Viele Spiele kann man im Zweier-Modus spielen und kann dann darüber sprechen. Und ganz ehrlich, ob ich mit meinem Kind etwas am PC spiele und mich hinterher darüber austausche oder ob ich mit meinem Kind Mensch-ärgere-dich-nicht spiele, da sehe ich nicht so den großen Unterschied.

Die Medienwelt in haptische Erfahrungen transformieren

Die reale Welt muss ja nicht vollkommen abgekoppelt sein von der digitalen Welt, das kann ja koexistieren und ich glaube, da kommen wir auch gar nicht mehr drumherum um.

Das heißt, natürlich sollten wir auch gucken, dass Kinder haptische Erfahrungen und die ästhetische Erfahrung bekommen, dass sie Dinge anfassen, sich bewegen. Das ist auf jeden Fall auch wichtig.

Doch wie bekomme ich die Kids dazu?

Eltern können mit den Kindern einfach mal überlegen: Mensch, wollen wir diese Umgebung (aus dem Computerspiel), die wir da sehen, nicht einfach mal bauen? Wollen wir nicht mal so ein Flugzeug Cockpit zusammenbauen? Aus was bauen wir das denn? Aus Holz? Aus Pappe?

Früher gab es so eine Serie in Frankreich, die hieß Leo Puppy. Puppy war ein kleiner Affe und meine Tochter hat das geliebt. Wir hatten so einen Affen und haben diesen Affen immer mit neuen Kleidern versehen und angezogen, den Affen zu Bett gebracht und all das nachgespielt, was wir auch gesehen haben.

Medienzeit regulieren: Ja oder nein?

Es gibt ja auch diese ganzen vielen Handy Apps, mit deinen Eltern die Kinder ja wirklich absolut zu 100 % kontrollieren können. Die Medienzeit kann eingegrenzt werden und wenn die Zeit abgelaufen ist, dann geht nichts mehr.

Doch was ist, wenn die Kinder immer wieder die Medienzeit verlängern wollen? Die Mama ist dann womöglich in der Arbeit. Dann sagt sie: „Ja, klar.“ Sie verlängert um den Friedenswillen, weil jedes Mal die Diskussion ist ja nicht nötig. Und irgendwann helfen dann die ganzen Apps überhaupt nichts.

Außerdem ist das natürlich wieder absolute Kontrolle. Und es ist doch immer so, sagen wir mal ganz ehrlich, wenn was verboten wird, dann macht man es doch umso mehr Freude.
Wir haben eine Menge an Kindern und bei uns gab es nie eine Regulierung zum Thema Medien und Fernsehen. Es stand immer für alle zu ihren Zeiten offen. Keines dieser Kinder ist abgedriftet, keines ist spielsüchtig geworden. Sie haben alle ihr Studium absolviert. Die letzte steht noch kurz vorm Abitur. Und was wir gemerkt haben Gut ist es eben, dabei zu sein, es zu begleiten und Gegen-Angebote zu machen. Andere gemeinsame Aktivitäten. Die meisten Kinder machen total gerne etwas mit ihren Eltern. Also zu sagen, wir gehen jetzt nach draußen oder wir machen dies oder wir backen zusammen oder wie auch immer. Das heißt, das Gegenangebot, wenn Mama Zeit hatte, das war immer attraktiv. Oder wenn Papa Zeit hatte. Ich glaube, die große Gefahr liegt darin, wenn man die Kinder den Medien alleine überlässt.
 

Regeln für alle Familienmitglieder

Zusätzlich gelten die Regeln natürlich auch für uns Erwachsene. Wenn ich meinen Kindern verordne die Handys haben am Tisch nichts zu suchen und selbst alle zwei Minuten prüfe, ob unsere Teilnehmerinnen eine Frage haben, dann funktioniert es nicht. Je älter die Kinder sind, umso schwieriger wird das. Das heißt also Handy aus, gilt dann für alle und Fernseher aus gilt dann eben auch für alle. Ich glaube, das ist so ein Punkt, wo wir uns ein bisschen annähern müssen und wo wir eine Balance finden müssen.

Die Zukunft der Mediennutzung

Die Welt von morgen wird nicht mehr die Welt von heute sein. Wenn man überlegt, ca. alle anderthalb Jahre verdoppelt sich die Speicherkapazität oder die Rechenkapazität eines Rechners.

Wie viel Entwicklung schafft ein Mensch in anderthalb Jahren?

Das heißt, wir können das nicht aufhalten.

Aber wir können die Kinder stark machen, damit zu leben und es zum Teil ihres Alltags werden zu lassen, es sich nutze zu machen, teilweise im Bereich Freizeit zunutze zu machen.

Die Mediennutzung sollte ausgewogen und begleitet sein.

Abschließend bleibt zusagen: Keine Angst vor neuen Medien, auch nicht grundsätzlich. Verbote und Medien machen auch nicht dumm. Es ist der Umgang, den wir gemeinsam mit unseren Kindern machen sollten. Wir sollten, wenn uns das unwohl ist, wenn wir Angst vor etwas haben, es hinterfragen. Was macht unsere Angst aus?

Nun sind wir ganz gespannt. Wie steht ihr zu diesem Thema? Hinterlasst uns unbedingt einen Kommentar.

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